(Kurz-)Interview: Felipe Altenfelder – Mídia Ninja

Felipe Altenfelder ist Mitbegründer des Kollektivs Mídia Ninja, das citizen journalism betreibt: Mit Handys, Kameras, Ersatzakkus und Kabeln sind die jungen Leute Teil der sozialen Bewegungen Brasiliens, indem sie sie dokumentieren – nah, ungefärbt, authentisch. Kurz vor der WM sprach ich mit Altenfelder über Massenmedien, Journalismus/ Aktivismus und die Chancen für Brasilien.

Warum seid Ihr 2013 auf die Strasse gegangen? Anders gefragt: Inwieweit war die Berichterstattung aus Eurer Sicht unzureichend?

Felipe Altenfelder: Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass wir schon lange vor 2013 auf die Strassen gegangen sind. Was letztes Jahr passiert ist, sehe ich eher als ein Resultat eines größeren Prozesses, dessen Teil wir und andere Bewegungen auf verschiedenen Ebenen sind. Denn das Bewusstsein, dass die Massenmedien in Brasilien nicht im öffentlichen Interesse handeln, besteht in unserem Land schon lange. Im Zuge dessen arbeiten wir an der Entwicklung einer alternativen Medienplattform bereits seit fünf Jahren.

Als das Land dann begann, diesen intensiven politischen Prozess mit hunderttausenden Menschen auf den Strassen zu bringen, waren unsere Inhalte etwas, das uns in großem Maße das Vertrauen der Menschen einbrachte. Denn die Berichterstattung der traditionellen Medien kriminalisierte die sozialen Bewegungen.

Hier geht es zum Portrait „Mídia Ninja: WM 2014 und Brasilien in echt“

Seht Ihr Euch mehr als Journalisten oder eher als Aktivisten?

Altenfelder: Ich denke, wir sind Aktivisten, die citizen journalism, also Bürger-Journalismus betreiben.

Begebt Ihr Euch nicht auch in Gefahr? D.h. sehen Euch die Regierung, die Polizei oder auch die etablierten Medien als Bedrohung?

Altenfelder: Na ja, natürlich gehen wir einige Risiken ein. Aber ich würde nicht sagen, dass wir uns in Gefahr begeben. Was wir tun ist aber schon sehr neu, so dass Regierung, Polizei und Medien überrascht und in vielen Punkten gezwungen sind, sich neu zu erfinden, um den Bezug zur Gesellschaft in den modernen Zeiten, in denen wir leben, aufrecht erhalten zu können.

Was ändert sich gerade durch Eure Arbeit? Was sind die Konsequenzen für den Journalismus? Was für das Land Brasilien?

Altenfelder: Das ist wirklich ein interessanter Punkt. Sicherlich stellt unsere Arbeit und ihre Sichtbarkeit eine Art Aufschrei dar, dass es möglich ist, relevante und freie Medienarbeit in Brasilien zu betreiben. Diese Tatsache verhalf vielen weiteren neuen Kommunikationskollektiven zum Start, revitalisierte aber auch die alten Bewegungen, die uns einst inspirierten, aktiv zu werden.

Die Massenmedien werden heute hinterfragt wie nie, und eine neue Generation von aktivistischem Bürger-Journalismus wächst gerade erst heran.

Felipe Altenfelder sprach übrigens auf der re:publica 2014 unter dem Titel Defending human rights worldwide – learning from the best – what’s working & why. Oben stehendes Video ist eine Aufzeichnung dieses Vortrags. Die Mídia Ninja im Netz: FacebookTwitterflickr
Christian machte 15 Jahre lang Musik, nahm Platten auf und tourte durch Europa. Zwischendurch studierte er und nahm die ersten Texterjobs an. Jetzt ist er freier Texter, Autor und Redakteur für Kommunikationsagenturen und Verlage, für Zeitschriften und Magazine, für die öffentliche Hand und Direktkunden, online und offline. Er mag Rhythmus und Prägnanz, Melodie und Relevanz. In Headline, Copy oder Redaktion, im Storytelling und relevantem Content. textass hold 'em.

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